Zwei Klangwelten, ein gemeinsamer Höhepunkt
Geballte Chorenergie trifft auf raffinierte A-cappella-Kunst: Beim VokalHerbst im Alten Kino Gaustadt sorgten KlangArt und Close Harmony am 17. Oktober für einen mitreißenden Konzertabend voller musikalischer Gegensätze, überraschender Momente und großer gegenseitiger Wertschätzung.
Zwei Ensembles, zwei ganz unterschiedliche Klangwelten – und eine Kombination, die kaum besser hätte funktionieren können. Auf der einen Seite der Rock- und Popchor KlangArt unter der Leitung von Johannes Klehr: viele Stimmen, geballte Kraft und Energie, getragen von einer mitreißenden Band. Auf der anderen Seite das A-cappella-Ensemble Close Harmony unter der Leitung von Jasmin Steiner: feinste stimmliche Präzision, raffinierte Harmonien und außergewöhnliche Arrangements, darunter auch solche aus der Feder der Chorleiterin selbst.
Gerade diese Gegensätzlichkeit machte den besonderen Reiz des Abends aus. Beide Ensembles präsentierten abwechselnd jeweils zwei Sets mit fünf Songs und zeigten dabei, wie vielfältig moderne Chormusik klingen kann – und wie wunderbar sich unterschiedliche musikalische Ansätze ergänzen.
Kraftvoll, berührend und manchmal ganz fränkisch
KlangArt begeisterte mit einem abwechslungsreichen Programm, das weit mehr zu bieten hatte als kraftvolle Popsongs. Bei Dancing Queen von ABBA und Don't Stop Me Now von Queen sorgte die Energie des großen Chores für ausgelassene Stimmung. In einer der charmanten Anmoderationen erfuhr das Publikum, dass ausgerechnet diese beiden Titel die ersten beiden Plätze einer Feel-good-Song-Liste des niederländischen Neurowissenschaftlers Jacob Jolij belegen. Dass Musik glücklich machen kann, war an diesem Abend jedenfalls deutlich zu spüren.
Doch KlangArt konnte auch andere Töne anschlagen. Mit Chasing Cars von Snow Patrol und Billy Joels She's Always a Woman entstanden ruhige, berührende Momente. Für fränkisches Lokalkolorit sorgte Wolfgang Bucks Des Glügg.
Mit Witness Me von Jacob Collier präsentierte der Chor zudem ein anspruchsvolles Stück, das erst seit Kurzem zum Repertoire gehört. Die für den britischen Musiker typischen rhythmischen und harmonischen Raffinessen boten Gelegenheit, die musikalische Vielseitigkeit des Ensembles unter Beweis zu stellen.
Wesentlichen Anteil am Klang hatte die dreiköpfige Band aus aktuellen beziehungsweise ehemaligen Schülerinnen und Schülern des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums. Mit Klavier, Bass und Schlagzeug sorgte sie für kraftvollen Schwung und ein felsenfestes rhythmisches Fundament, bewies aber auch bei den leiseren Stücken großes musikalisches Feingefühl.
Wenn Stimmen zu Instrumenten werden
Close Harmony setzte dazu einen faszinierenden Kontrapunkt. Wo bei KlangArt die Band für den instrumentalen Klang sorgte, entstand bei Close Harmony die gesamte musikalische Begleitung allein aus den Stimmen. Ein satter, groovender Stimmbass bildete das Fundament, Beatboxing lieferte die passenden Rhythmen, während sich die übrigen Stimmen zu dichten, vielschichtigen Harmonien verwoben.
Ob bei Titanium von David Guetta und Sia, Wolf & I von Oh Land oder Coldplays Fix You: Das Ensemble beeindruckte mit höchster Präzision, überraschenden Klangfarben und großer Ausdruckskraft.
Immer wieder wechselnde Aufstellungen und Formationen, ausgefeilte Choreografien und raffinierte Einfälle in der Gestaltung und Präsentation machten die Auftritte auch zu einem visuellen Erlebnis.
Charmante, oft humorvolle Anmoderationen mit persönlichen Einblicken in die Probenarbeit sorgten für Heiterkeit. Und bei We Pray von Coldplay durfte das Publikum sogar selbst mitsingen.
Musik, Cocktails und Begegnungen
Nach den ersten beiden Sets bot die Pause Gelegenheit, die eigens für den Abend kreierten Themencocktails zu probieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die fantasievollen Getränke waren von Sängerinnen des Chores KlangArt vorbereitet worden und trugen zur besonderen Atmosphäre bei.
Gerade solche Begegnungen gehören zur Idee des VokalHerbstes: Musik nicht nur auf der Bühne zu erleben, sondern Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.
Ein Finale, das niemanden auf den Stühlen hielt
Im zweiten Teil nahm der Abend noch einmal richtig Fahrt auf. KlangArt setzte mit You're the Voice, bekannt durch John Farnham, einen furiosen Schlusspunkt unter seinen Auftritt. Der kraftvolle Song mit seiner Botschaft, die eigene Stimme zu erheben und gemeinsam etwas zu bewegen, passte besonders gut zu diesem Abend. Für zusätzliche Begeisterung sorgten dabei die Sängerinnen und Sänger von Close Harmony, die sich im Publikum zu einer spontanen Choreografie hinreißen ließen.
Doch Close Harmony hatte sich ebenfalls einen spektakulären Abschluss aufgehoben. Bei Daft Punks One More Time wurde das Licht gedimmt, die Sängerinnen und Sänger setzten leuchtende Brillen auf und verwandelten das Alte Kino kurzerhand in einen pulsierenden Dancefloor. Spätestens jetzt hielt es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen.
Den eigentlichen Schlusspunkt setzten schließlich beide Ensembles gemeinsam. Mit Human von Rag'n'Bone Man wählten sie einen Song, den beide Chöre im Repertoire haben. Was zuvor im Wechsel zu erleben gewesen war, fand hier zusammen – musikalisch und menschlich.
Ein Abend, der nachklingt
Für KlangArt bedeutete die Begegnung mit Close Harmony viele neue musikalische Impulse, Eindrücke und Erfahrungen. Vor allem aber war es ein Abend voller gegenseitiger Wertschätzung, musikalischer Neugier und wunderbarer Begegnungen.
Und hoffentlich war es nicht das letzte gemeinsame Konzert dieser beiden Ensembles. Zu wünschen wäre es ihnen – und dem begeisterten Publikum – auf jeden Fall!