Zwei Formationen, viele musikalische Geschichten und eine besondere Nähe zum Publikum: Am Sonntag, 18. Oktober, entführten Velvety Waves und BREEZE die Gäste des VokalHerbstes im Alten Kino Gaustadt in abwechslungsreiche Klangwelten zwischen Folk, Pop und kammermusikalischer Raffinesse. Dabei wurde deutlich, dass musikalische Sehnsuchtsorte nicht unbedingt in der Ferne liegen müssen.
Velvety Waves – neue Wege zwischen Folk und persönlichen Geschichten
Mit FOMO (Fear of Missing Out) eröffneten Velvety Waves den Konzertabend. Schon die ersten Takte ließen irische Einflüsse erkennen: Die Gitarren von Wolfi Nitschke und Jürgen Fritz verwoben sich mit der Folkvioline von Monika Romanovska zu einem warmen, vielschichtigen Klang, über dem sich die markante, gefühlvolle Stimme von Jürgen Fritz entfaltete.
Besonders beeindruckend war das Gitarrenspiel von Wolfi Nitschke, der raffiniertes Fingerpicking mit perkussiven Elementen verband. Dabei war der Einfluss des amerikanischen Gitarristen Michael Hedges deutlich zu hören. Auch die wechselnden Open Tunings trugen zu den besonderen Klangfarben bei. Die dafür notwendigen Umstimmungen zwischen den Stücken nahmen bisweilen etwas Zeit in Anspruch, die das Trio jedoch mit allerlei humorvollen Anekdoten und Wortspielen rund um das Thema „Stimmung“ gekonnt und ausgesprochen unterhaltsam überbrückte.
Velvety Waves war ursprünglich als reines Studioprojekt gedacht. Die drei Musiker wollten ihre musikalischen Ideen und bislang unveröffentlichten Songs eigentlich nur auf einem Album festhalten, nicht aber live präsentieren. Erst Johannes Klehr hatte sie ermuntert, ihr Programm beim VokalHerbst auf die Bühne zu bringen. Für die Beteiligten bedeutete das auch einen Ausflug auf ungewohnte musikalische Pfade, waren sie doch sonst überwiegend in rockorientierten Formationen unterwegs.
Die Songs erzählten von Begegnungen, Beziehungen und den kleinen und großen Geschichten des Lebens. Besonders mitreißend geriet die temporeiche, lateinamerikanisch angehauchte Nummer Another You. Mit Milk and Honey und Call for Relief schlug das Trio dagegen ruhigere, melancholisch getragene, aber nicht minder intensive Töne an. Bei Letzterem sorgte ein ebenso einfacher wie origineller Effekt für Heiterkeit: Die leicht verfremdete Stimme entstand kurzerhand dadurch, dass dem Sänger die Nase zugehalten wurde.
Auch die Nähe zum Publikum prägte den Auftritt. Die drei Musiker saßen unmittelbar vor den Zuhörerinnen und Zuhörern und schufen damit eine beinahe wohnzimmerartige Atmosphäre, die hervorragend zum persönlichen Charakter ihrer Musik passte.
BREEZE – Klangwelten voller Sehnsucht und Geschichten
Mit BREEZE setzte sich der Abend in größerer Besetzung fort. Die Formation um Sängerin Heike Schmitt und Johannes Klehr verbindet Folk, Pop und Jazz mit kammermusikalischen Elementen. Eine besondere Rolle spielt dabei das Streichquartett mit Dagmar Puttkammer und May-Britt Trunk (Violine), Katharina Cürlis (Viola) und Achim Melzer (Violoncello), allesamt Mitglieder der Bamberger Symphoniker. Komplettiert wurde die Band durch Thomas Bockstaller am Bass und Mike Schmidt am Schlagzeug. Gerade das Zusammenspiel von Band und Streichern verlieh BREEZE seinen unverwechselbaren Klang.
Die musikalische Reise führte nach Cornwall, Irland und Italien, aber ebenso zu ganz persönlichen Sehnsuchtsorten, die manchmal direkt vor der eigenen Haustür liegen.
Heike Schmitt und Johannes Klehr führten abwechselnd durch das Programm und erzählten von den Geschichten hinter den Songs. So handelt Meet Me in Tuscany von einem jungen Mann, der Irland verlässt, um in der Toskana die Liebe zu finden. Überwintern wiederum wurde von der Beobachtung inspiriert, dass die Krähen, die man sonst regelmäßig vor den Häusern sieht, irgendwann plötzlich verschwunden sind – und der Frage, wohin sie sich wohl zurückgezogen haben. Persönliche Beobachtungen und fantasievolle Erzählungen verliehen dem Konzert eine kontemplative, innige Atmosphäre, die durch humorvolle Anmoderationen und gegenseitige Neckereien immer wieder aufgelockert wurde.
Für besondere Heiterkeit sorgte Johannes Klehrs Begeisterung für seine Jacob-Collier-Gitarre, deren Besonderheiten er dem Publikum unbedingt näherbringen wollte – nicht ganz zur ungeteilten Freude seiner Mitmusikerinnen und Mitmusiker.
Zu den musikalischen Höhepunkten gehörte die Verbindung der traditionellen irischen Weise Anach Cuin mit der BREEZE-Eigenkomposition Black Pearl. Beide Stücke gingen nahtlos ineinander über und entfalteten gerade als zusammenhängendes Ganzes ihren besonderen Zauber. Black Pearl erzählt dabei die bewegende Geschichte eines jungen Fischers, der vom großen Glück träumt.
Nicht minder eindrucksvoll präsentierte sich Shore vom Danish String Quartet, das ausschließlich von den vier Streichern dargeboten wurde. Hier rückte das fein abgestimmte Zusammenspiel des Quartetts ganz in den Mittelpunkt.
Mit Fragile von Sting fand der Abend schließlich einen berührenden Abschluss. Die leise Intensität und Zartheit des Songs brachten noch einmal auf den Punkt, was diesen Konzertabend ausgemacht hatte: musikalisches Feingefühl, große Ausdruckskraft und eine besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum.
Ein Abend voller musikalischer Entdeckungen
Velvety Waves und BREEZE zeigten auf beeindruckende Weise, wie vielfältig sich Folk-Einflüsse mit anderen musikalischen Stilrichtungen verbinden lassen. Mal rhythmisch mitreißend, mal nachdenklich und beinahe zerbrechlich, entstanden Klangwelten, die von persönlichen Geschichten ebenso lebten wie von der musikalischen Experimentierfreude der Beteiligten.
Weitere Informationen: BREEZE – Offizielle Website