Wenn der Rhythmus aus dem Bauch kommt

Rhythmus ist mehr als das richtige Zählen von Taktschlägen. Er muss gespürt, erlebt und gemeinsam getragen werden. Wie das gelingen kann, zeigte Johannes Klehr am Vormittag des 25. Oktober bei seinem Workshop „Puls, Bewegung und Groove im Popchor“ im Rahmen des VokalHerbstes Gaustadt.

Nach einer gemeinsamen theoretischen Einführung, bei der auch typische rhythmische Strukturen aus Popchor-Arrangements unter die Lupe genommen wurden, ging es schnell in die Praxis. Mit Bodypercussion, rhythmischen Sprechübungen und viel Bewegung erkundeten die Teilnehmenden, wie unterschiedlich ein musikalischer Puls gestaltet werden kann. Selbst der vertraute „Bi-Ba-Butzemann“ erwies sich dabei als überraschend vielseitig: In einer englischsprachigen, rhythmisch raffiniert gestalteten Fassung wurde aus dem Kinderlied eine Übung für Timing, Koordination und gemeinsames musikalisches Empfinden.

Auch bekannte Musik ließ sich auf ungewohnte Weise erleben. So beschäftigten sich die Teilnehmenden mit einer Neuinterpretation von Händels berühmtem „Halleluja“ aus dem Projekt Handel’s Messiah: A Soulful Celebration, das die Musik des Barockkomponisten mit Elementen aus Pop, Soul und Gospel verbindet. Ein anschauliches Beispiel dafür, wie sehr Rhythmus und Groove den Charakter eines vertrauten Musikstücks verändern können.

Dabei ging es Johannes Klehr um weit mehr als rhythmische Genauigkeit. Wie er bereits im Vorfeld betont hatte, muss der Rhythmus gewissermaßen „aus dem Bauch kommen“. Die Teilnehmenden sollten ein eigenes Gefühl für den Groove entwickeln, zugleich aber auch lernen, aufeinander zu hören und sich als Gruppe auf einen gemeinsamen Puls einzulassen.

Dafür wurde auch der gesamte Saal zum Übungsraum. Die Teilnehmenden bewegten sich frei durch das Alte Kino und erprobten, wie sich ein gemeinsamer Rhythmus ohne ständige Anleitung von außen entwickeln lässt. Besonders spannend war dabei der Gedanke, dass ein Chor nicht immer auf die sichtbaren Zeichen einer Chorleitung angewiesen sein sollte. Wenn alle Beteiligten denselben Puls verinnerlichen, kann ein gemeinsamer Klang entstehen, der sich aus der Gruppe selbst trägt.

Der Workshop bildete zugleich ein wunderbares Gegenstück zum ersten Gesangsworkshop des VokalHerbstes mit Heike Schmitt und Melanie Wild, bei dem die Möglichkeiten und die gesunde Entfaltung der Stimme im Mittelpunkt gestanden hatten. Beide Veranstaltungen ergänzten sich auf besondere Weise: Stimme und Rhythmus sind gewissermaßen Yin und Yang des Chorklangs. Der Rhythmus gibt der Musik ihre Wurzeln, während die Stimmen sie zum Blühen bringen.

Mit vielen praktischen Anregungen und einem neuen Gespür für den gemeinsamen Groove bot der Workshop wertvolle Impulse für die eigene Chorarbeit. Ein herzlicher Dank gilt Johannes Klehr für diesen lebendigen und inspirierenden Einblick in die rhythmischen Grundlagen des Popchorgesangs!

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Kammermusik in besonderer Atmosphäre