Ein Herbst in allen Klangfarben – Rückschau auf den ersten VokalHerbst

Ein Oktober voller Klangfarben, Begegnungen und musikalischer Entdeckungen liegt hinter dem Alten Kino Gaustadt. So bunt wie das Laub vor den Türen präsentierte sich die Musik auf seiner Bühne: mal leise und schimmernd, mal mitreißend und stimmgewaltig, mal vertraut und dann wieder überraschend anders. Mit sechs Konzertabenden und zwei Workshops hat der erste VokalHerbst gezeigt, wie viele Facetten die menschliche Stimme besitzt – und wie viel Leben in einem alten Kino stecken kann.

Dabei erwies sich der historische Saal als erstaunlich wandlungsfähig. Er bot der klassischen Kammermusik einen ebenso passenden Rahmen wie dem A-cappella-Gesang, dem Folk, dem Jazz, der Musikcomedy und den energiegeladenen Auftritten großer Pop- und Gospelchöre. Mal entstand eine beinahe intime Atmosphäre, in der jede musikalische Nuance zu hören war, mal füllten vielstimmiger Gesang und begeisterter Applaus den gesamten Raum. Das Alte Kino konnte all das aufnehmen, ohne dabei seinen unverwechselbaren Charakter zu verlieren.

Doch der VokalHerbst war mehr als eine Folge von Konzerten. Er brachte Menschen unterschiedlicher Generationen, musikalischer Vorlieben und Erfahrungen zusammen. Ensembles begegneten einander, lernten sich besser kennen und entdeckten mitunter ganz neue Seiten an ihren musikalischen Nachbarn. Gerade die ungewöhnlichen Kombinationen auf der Bühne sorgten für Überraschungen und weckten gegenseitige Neugier. Dass dabei auch die Bande zwischen dem Chor KlangArt und seinen musikalischen Gästen enger geworden sein dürften, gehört zu den besonders schönen Ergebnissen dieses Festivals.

Auch abseits der Konzertabende wurde das Alte Kino zu einem Ort des neugierigen Lernens. In zwei Workshops konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entdecken, wie sich die eigene Stimme gezielt einsetzen lässt und wie aus gemeinsam empfundenem Puls, Bewegung und Rhythmus ein lebendiger Chorklang entsteht. Vielleicht hat dabei der eine oder die andere nicht nur neue Fähigkeiten, sondern auch die Lust entdeckt, selbst in einem Ensemble mitzusingen. Und womöglich dürfen sich einige der beteiligten Gruppen künftig sogar über stimmlichen oder instrumentalen Zuwachs freuen.

Besonders erfreulich war zudem, wie selbstverständlich sich unterschiedliche Generationen am musikalischen Geschehen beteiligten. Junge Musikerinnen und Musiker bereicherten beispielsweise die Auftritte von KlangArt und trugen dazu bei, dass aus dem Chorkonzert ein gemeinsames musikalisches Erlebnis wurde. Solche Begegnungen zeigen, wie lebendig die regionale Musikszene ist, wenn Menschen ihre Erfahrungen, Ideen und Begeisterung miteinander teilen.

Zum Gelingen des VokalHerbstes trugen allerdings nicht nur diejenigen bei, die auf der Bühne standen. Hinter den Kulissen waren zahlreiche helfende Hände im Einsatz. Stühle wurden immer wieder neu angeordnet, der Saal für ganz unterschiedliche Besetzungen umgestaltet, Gäste begrüßt und an der Theke versorgt. Sogar eigens kreierte VokalHerbst-Cocktails gehörten zum Festivalerlebnis. Was für das Publikum wie selbstverständlich wirkte, erforderte oft einiges an Vorbereitung, Improvisation und tatkräftiger Zusammenarbeit.

Eine besondere Rolle spielte dabei auch die Technik. Tontechniker Alexander Drabold betreute gleich mehrere Ensembles und sorgte dafür, dass ihre unterschiedlichen musikalischen Charaktere im Saal zur Geltung kamen. Wie reizvoll, aber auch anspruchsvoll diese Aufgabe in einem Raum mit so wechselnden Anforderungen sein kann, erzählte er in unserem Beitrag über die Tontechnik beim VokalHerbst.

All diese Menschen haben dazu beigetragen, dass das Alte Kino im Oktober weit mehr war als eine Bühne für Konzerte. Es wurde zu einem Ort der Begegnung, des gemeinsamen Gestaltens und der musikalischen Entdeckungen. Gerade darin liegt eine besondere Hoffnung, die der erste VokalHerbst hinterlässt: Der Gesangverein Liederhort Gaustadt 1874 e. V. verfügt mit dem Alten Kino über einen außergewöhnlichen Ort, dessen Geschichte und Atmosphäre es zu bewahren gilt – und dessen Zukunft zugleich voller Möglichkeiten steckt. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Ideen und Talenten hier zusammenkommen, kann aus einem traditionsreichen Sängerheim ein lebendiger Kulturhort werden.

Nun wird das Kino winterfest gemacht, die Festivalbühne vorerst geräumt und der erste VokalHerbst schließt seine Pforten. Still wird es deshalb aber noch lange nicht: Bereits am 25. November feiert das Theater im Gärtnerviertel (TiG) mit der Komödie „Im falschen Film“ von Petr Zelenka Premiere im Alten Kino. Weitere Vorstellungen folgen bis in den Dezember. Auch das ist ein schönes Zeichen für die Vielseitigkeit dieses besonderen Hauses.

Zum Abschied bleibt vor allem eines: Dankbarkeit. Gegenüber allen Künstlerinnen und Künstlern, den Workshopleitungen, den vielen Helferinnen und Helfern, unseren Förderern und natürlich dem Publikum, das sich mit Offenheit und Neugier auf die unterschiedlichen Klangwelten eingelassen hat.

Wir hoffen auf ein Wiedersehen – spätestens dann, wenn sich der nächste Sommer seinem Ende zuneigt, die ersten Blätter wieder Farbe annehmen und mit ihnen die Sehnsucht nach der bunten Vielfalt der Vokalmusik erwacht.

Denn nach dem VokalHerbst ist hoffentlich vor dem VokalHerbst. 🍁

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Flames of Gospel beschließen den VokalHerbst